Die ganze Wahrheit über das #Vanlife


Den Wellen hinterher, spontan, frei und wild! Sonnenuntergänge, Sternenhimmel! Das Meer vor der Tür! Die Almwiese als Terrasse! Immer draußen! Gemütlich, stylisch und romantisch!

So wird das Leben im Bus beschrieben. So haben auch wir hier schon von unserer liebsten Reiseart geschwärmt. Und es stimmt. Es ist einfach wunderbar. Aber… Ganz so paradiesisch ist es nicht das tolle Vanlife. Wie sooft werden die unangenehmen Dinge der Realität gerne verschwiegen. Wir geben jetzt unsere beiden schlimmsten Stories preis, die die ganze Wahrheit über das Leben im Bus zu Tage bringen. Viel Spaß beim Lesen.


Story 1: Die fremde Hand

Wir stehen auf einem Parkplatz direkt am Meer neben einem Nachtclub (Man hat tagsüber nicht gesehen, dass dort ein Nachtclub ist.):

Der Bus fängt unnatürlich das wackeln an, wovon wir beide aufwachen. Bevor wir realisieren was die Ursache ist, hören wir ein seltsames Geräusch. Als wir begreifen, dass eine fremde Hand das Fliegennetz über uns zerrissen hat und nun durch die Dachluke direkt auf uns zukommt sind wir sofort hellwach. Jemand versucht tatsächlich in unseren Bus einzudringen. Bastis heldenhafte Reaktion - er pfeift. Das zeigt tatsächlich Wirkung. Die Hand verschwindet über unseren Köpfen, der Bus wackelt erneut und als ich den Vorhang auf die Seite schiebe um aus dem Fenster zu spähen, kann ich den Eindringling im Licht der Laternen verschwinden sehen. Diese und auch die nächsten Nächte war nicht viel mit Schlafen.


Story 2: Ein Roadtrip zum abgewöhnen

Wir haben es einfach nicht mehr ausgehalten landlocked zu sein und machen uns deshalb spontan im März auf in die Bretagne. Dicke Neos, Daunenjacke, Schal und Mütze im Gepäck starten wir frohen Mutes unseren Surftrip. Die ersten vier Tage sind herrlich. Der Wettergott ist uns gewogen und dank Thermoskanne und Standheizung finden wir großen Gefallen am Coldwatersurf. Plötzlich erscheint ein Orkan auf dem meteorologischen Forecast und die ersten Vorboten sind schnell zu spühren. Die Wellen sind riesig und total verwaschen. Sportlich motiviert wie ich bin und weil mir kalt ist entschließe ich mich zu einem Lauf an den Küstentrails. Das stürmische Meer ist so faszinierend, dass ich meinen Blick nicht davon losreißen kann. Tja, Trailrunning blind ist einfach nicht so klug. Es passiert was passieren muss. Ich trete auf einen Stein und knicke ordentlich um. Mit schmerzendem Elefantenknöchel schleppe ich mich eine Dreiviertelstunde zurück zum Bus. Dort werde ich liebevoll versorgt und habe endlich Zeit mich grün und blau zu ärgern. Mein Fuß passt sich an und schillert in den selben Farben.

Da der Sturm schnell stärker wird und wir uns einen geschützten Stellplatz in der nächsten Stadt suchen wollen, verbringen wir den Rest des Tages mit Autofahren - was mir persönlich nicht viel ausmacht hat. Ich kann sowieso nicht mehr Laufen.


Auf einmal macht unser Bus Geräusche a la Porsche mit Sportauspuff. Wir fahren rechts ran. Unser Mechanikerwissen hält sich in Grenzen, aber die Sache ist sonnenklar. Ein Auspuffrohr ist abgebrochen, sodass unsere Abgasanlage in zwei Teile geteilt ist und dem Asphalt gefährlich nah hinunter hängt. Wir wissen, das ist zwar nichts, was nicht repariert werden kann, aber wenn die Osterfeiertage vor der Tür stehen, legt sich kein Mechaniker unter das Auto und Ersatzteile bringt der Hase leider auch nicht. Langsam und ganz vorsichtig tuckern wir in die Stadt auf unseren Stellplatz hinter einem Museum. Immer wieder treffen uns enttäuschte Blicke, wenn statt dem Porsche doch nur der T4-Camper um die Ecke biegt.

Mittlerweile ist der Orkan an seinem Höhepunkt angekommen. Windböen mit 117km/h und Starkregen machen unsere Wein- und Spielrunde im warmen Bus fast schon wieder gemütlich. Mein Fuß ist geschwollen und schmerzt, aber mit jedem Glas wird es besser und hey, man könnte gerade sowieso nicht surfen. Plötzlich entsteht eine kleine Wasserlake auf unserem Spielfeld. Wir schauen uns an, schauen nach oben und können es einfach nicht glauben. Unser Dach leckt.

Das ist der Moment, in dem ich einfach nur nach Hause möchte. Mit Stirnlampe Regenausrüstung und Surfwachs bewaffnet trotzt Basti dem Sturm und flickt unser Loch so gut er kann. Ich bin heilfroh, dass er nicht vom Dach geweht wird.

Das Surfwachs hält. Das Dach bleibt den Rest des Trips dicht. Der Fuß bleibt zwar dick, aber die Schmerzen lassen nach, genauso wie der Sturm und mein Heimweh. Nach den Feiertagen finden wir eine legendäre Werkstatt mitten im Nirgendwo. Der kleine Mechaniker ist so hoch wie breit und erinnert an eine Zeichentrickfigur. Unser neuer Freund macht uns einen sehr guten Preis und keine 15 Stunden später schnurrt der Bus wieder wie ein Kätzchen - oder vielleicht doch wie ein alter schnarchender Kater, aber das hat er auch vorher schon getan.

In den letzten fünf Tagen finden wir noch schöne Wellen. Ich übe mich als Surffotografin oder Bodyboarderin und am Ende unseres spontanen Surftrips im Frühjahr haben wir auf jeden Fall einiges zu erzählen.


Diese beiden Anekdoten unseres Vanlifes sind bildlich für die unangenehmen Dinge, die zu einem Abenteuer leider hin und wieder auch dazugehören. Weggelassen haben wir stundenlange Streitereien bei der Stellplatzsuche, Wasser- und Schlagmangel, eine Horrorstory während eines Outdoor-Klogangs, die eine mächtige Kreuzspinne als Protagonistin hat, Menschen die auf Freecamper schießen, leere Benzintanks in den Bergen irgendwo in Spanien, überfüllte Surfspots usw. usw.

Es ist also noch nicht immer so paradiesisch und rosig, wie man es auf den Bildern oft zu sehen bekommt. Aber oft und eines steht auf jeden Fall fest: Für uns gibt es nichts Schöneres als mit unserem Bus zu reisen.

Wie geht es euch? Habt ihr auch schon einen Trip zum Vergessen hinter euch? Wir freuen uns über eure Geschichten!

#Vanlife #Outdoor #Abenteuer #Adventure #Travel

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