Mehr Wellen braucht das Land

Aktualisiert: 19. Okt 2019


Dein Brett unterm Arm und den Sand zwischen den Zehen. Eine Session bei Sonnenuntergang. Das Gefühl, wenn die Welle dich packt. Der Flow während den Turns. Weit weg vom Alltag, dafür mitten im Element Wasser. Ich habe gerade versucht, das fantastische Gefühl während des Surfens zu beschreiben, ohne das Wort „Orgasmus“ in den Mund zu nehmen. Hätte ich es verwendet, ich wäre mir nicht sicher, ob ich jemandem, der das Surfen nicht kennt und liebt, eine winzige Vorstellung davon geben könnte, wie großartig das Wellenreiten ist. Es fasziniert viele Menschen so sehr, dass sie jede Reise oder sogar das ganze Leben danach ausgerichtet wird.


Diejenigen unter den Surfern, die nicht gesegnet sind und am Meer wohnen, kämpfen vielen Tage im Jahr mit der Sehnsucht danach. Das Verlangen nach den Wellen ist für uns, wie das Vermissen eines geliebten Menschen. Man denkt vor dem Einschlafen an seine letzte Welle und auch der erste Gedanke am Morgen gehört diesem unbeschreiblichen Freiheitsgefühl. Es gilt die Zeit zum nächsten Surftrip so schnell wie möglich rumzukriegen und das kann sich quälend hinziehen.

Als Münchner kann man diese schleppenden Landperioden am Eisbach überbrücken. Auch ein Trip nach Salzburg an die Almwelle kann einem die Zeit ohne das Meer ein wenig versüßen. Und dann haben wir in Bayern ja jetzt auch die künstliche Welle in der Jochen Schweizer Arena. Zugegeben in unseren schlimmsten Stunden haben sogar wir schon daran gedacht uns ein Ticket für die Indoorwelle zu kaufen. Doch, wer ein paar Zeilen weiter oben von einer Symbiose zwischen Mensch und Natur beim Surfen schreibt, kann das dann doch nicht mit seinem Gewissen vereinbaren.


Es gibt jedoch ein Projekt, das uns von Beginn an gefallen hat. Eine Flußwelle, die natürliches Gefälle an einem Kanal hinter einem kleinen Wasserkraftwerk ausnutzt. Und das in unserer Nachbarschaft. Das Wellenprojekt Surfing Wolfratshausen hat uns schnell überzeugt. Mittlerweile sind wir im Gründungsteam des Vereins und setzen uns zusammen für die Flußwelle ein. Die Stadt unterstützt das Projekt mit Herz, Hand und Geld. Auch die EU stellt im Rahmen der Sport- und Kulturförderung LEADER Mittel zum Bau einer Rampe in den Kanal bereit. Und gemeinsam mit dem Team des Vereines setzen wir uns für die letzten 60.000 Euro ein um den Bau der Welle ins Rollen zu bringen. Der ein oder andere Scheck von lokalen Firmen wurde schon übergeben, sodass das Riversurfen zu einem regionalen Projekt wird und die Menschen der kleinen verschlafenen Stadt vor der Alpen verbindet.

Uns liegt es sehr am Herzen diese Sache zu unterstützen. Klar fänden wir es total toll, eine surfbare Flusswelle vor der Türe zu haben. Doch wir finden es ebenso bereichernd uns für eine Sache zu engagieren, für die wir brennen und diese durchzusetzen. Das ist einfach ein geniales Gefühl. Doch das Schönste an dem Ganzen ist die Crew. Obwohl die Welle noch nicht steht haben wir durch sie schon viele wunderbare Menschen getroffen und freuen uns jedesmal bei einem Meeting unser Vereinsteam zu sehen und gemeinsam mit ihnen etwas zu starten. Gemeinsam träumen wir alle den selben Traum:

Wir haben eine Woche frei. Keine Termine. Natürlich werden sofort Pläne geschmiedet, was unternommen wird. Biken? Skitouren? Am besten wäre natürlich Surfen! Sollen wir einen Flug buchen? Sollen wir uns 15 Stunden in den Camper setzen und an den Atlantik schießen? Ist schon ganz schön stressig. Etwas entspannen und nicht hin und her hetzen wäre schon auch toll.

Lass uns zu Hause bleiben! Wir lieben unser zu Hause! Wir machen eine Sonnenaufgangstour auf den Jochberg und am Abend kochen wir etwas richtig Feines. Wenn wir am nächsten Tag aufwachen schwingen wir uns auf die Bikes. Im Gepäck haben wir diesmal nicht die MTB-Ausrüstung sondern Surfbretter und Wetsuits. Wir schlüpfen in unsere Anzüge und schnappen uns die Bretter. Dieses Mal führt uns der Weg über das Ufer zur Loisach hinab ins kühle Wasser. Die nassen Zehen, das kalte Gesicht, das Gefühl mit einem der stärksten Elemente verbunden zu sein, die Freiheit zu spüren. Das gibt es für uns vielleicht bald ohne jedesmal viele viele Kilometer ans Meer zu fahren oder zu fliegen.


Wir wünschen auch allen anderen Wellenprojekten dieses Landes viel Erfolg und hoffen ihr werdet alle verwirklicht. Viele Menschen sollen künftig hin und wieder auf Flüge und lange Fahrten verzichten, weil sie eine Welle vor der Tür haben und nach Feierabend oder am Wochenende noch zum Surfen gehen können. Mögen möglichst viele Surfer stoßet und glücklich ohne Sehnsucht einschlafen!

Links zum Projekt Surfing Wolfratshausen:

Webseite: http://surfing-wolfratshausen.de

Facebook: Surfing Wolfratshausen

Fotos by Jensschumannworkx

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