Grün grün grün sind alle meine Kleider

Aktualisiert: 28. Apr 2019

Wie nachhaltig ist Outdoorbekleidung




Schockierend scheinheilig

Bis du auch am liebsten draußen in der Natur? Ein Refugium, das dir unbezahlbare Momente beschert, dir Freiheit und Leben einhaucht. Doch genau die Ausrüstung, die wir bei unseren Abenteuern tragen, damit wir trocken und warm bleiben, beinhaltet äußerst schädliche Stoffe für unsere Erde. Als mir dieses Paradoxon bewusst wurde, war ich geschockt. 

Werbetafeln mit den schönsten Outdoorerlebnissen, die Naturverbundenheit widerspiegeln. Trailer mit atemberaubenden Landschaften und die Teilnahme an „grünen“ Projekten, ließen mich lange in dem - zugegebenermaßen recht naivem - Glauben, die Produzenten von Outdoorkleidung würden sich umweltverträgliche Produktionsmethoden auf die Fahne schreiben. Aber, Pustekuchen…oder? 


Was genau ist schädlich?

Im Zuge meiner Recherchen bin ich schnell auf eine Studie aus 2012 von Greenpeace gestoßen. Sie haben Funktionskleidung namenhafter Outdoormarken auf die Chemikalien der PFC Gruppe untersucht. Diese sind ein großes Thema wenn es um die Nachhaltigkeit von Funktionskleidung geht.

PFC´s werden für atmungsaktive Membranen und wasserabweisende Oberflächen verwendet. Leider haben sie zusätzlich zu ihrer hohen Funktionalität auch gravierende Nebenwirkungen. Sie schränken die Fruchtbarkeit ein und stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Das hat ihrer Verwendung aber keinen Abbruch getan und deswegen finden sich diese Schadstoffe schon überall auf der Erde. Sogar in der Arktis wurden sie im Urin von Pinguinen gefunden. Natürlich schwimmen sie auch in unseren Gewässern herum und werden über das Trinkwasser und die Nahrung von uns aufgenommen. Im Körper angekommen tummeln sie sich in unserem Blut. 


Gibt es Alternativen? 

Was dagegen tun? Genau! Forschen. Und das ist auch schon passiert. Es wurden einige Alternativstoffe entdeckt und auf Funktionalität getestet. Super. Auch die ökologischen Alternativen sind atmungsaktiv und wasserabweisend. Die Paradebeispiele sind Sympatex, Ecorepel, Purtex, Bionic Finish Eco aber auch andere Technologien mit Polyester, Wachs, Silikonen, Polyurethane und Dendirmeren (was auch immer Letzteres ist ;)). Es wird angeblich auch fleißig weiter geforscht. Hier darf man lobend einige Outdoor-Hersteller erwähnen, die ihre Millionengewinne tatsächlich unter anderem auch in die Entwicklung stecken und teilweise eigene Alternativtechnologien hervorbringen. 


Wer ist Engel, wer Teufel? 

Nichts desto Trotz war das vor 4 Jahren wohl noch nicht so aktuell. Die Ergebnisse brachten jede Menge Chemikalien in den Produkten hervor. Besonders erstaunlich war für mich, zu lesen, dass Hersteller, die für das Credo Nachhaltigkeit berühmt sind ihre Hände genauso wenig in Unschuld waschen dürfen als unauffälligere Brands. Da kam mir schon kurz mal die Galle hoch. 


„Lieblingsmarken“ im Überblick

Das wollte ich genauer wissen und habe meine Lieblingsbrands ausgiebig virtuell erkundet. Hier meine Ergebnisse:


Patagonia

Das brisante Thema PFC findet man schnell und auch ziemlich ausführlich auf der Homepage des Outdoor-Herstellers aus Califonien. Es wird ehrlich und informativ über die Probleme von den Chemikalien berichtet. Zudem verspricht Patagonia ab 2016 nur noch Alternativlösungen in ihrer Kleidung zu verarbeiten. Auch über diese wird man grundlegend informiert. 

Fjällraven

Auch die Schweden machen die Chemikalien ausführlich zum Thema und berichten ähnlich wie die Kollegen aus den USA ehrlich und sachlich über PFCs. Auch sie engagieren sich in der Forschung und haben Alternativtechnologien zu bieten. Ihr Versprechen fluorcarbonfrei zu produzieren gilt seit 2015.

Vaude

Nun nach Deutschland. Vaude wirbt mit „grüner“ Produktion und da darf auch unser Lieblingsthema nicht fehlen. Auch sie klären offen und ehrlich auf und präsentieren ein Siegel, welches flourcarbonfreie Produkte kennzeichnet (ECO-finish). Der Ausstieg von Vaude aus der Herstellung mit PFC wird für Kleidung für 2018 propagiert. 2020 sollen dann alle Sparten dieser Marke frei von den Umweltsündern sein. 

Mammut

Diese Outdoormarke startet eine regelrechte Kampagne gegen Fluorcarbonide. Das Thema wird auf der Hompage ausführlich behandelt und der Ausstieg wird in systematischen Schritten bis 2022 versprochen. Auf der Seite findet man zudem FAQ´s beantwortet, die sich kritische Verbraucher (oder Blogger ;)) stellen. 

Black Diamant: 

Die Kletterer und Bergsportler unter euch, werden auch das ein oder andere Produkt dieser Marke im Schrank haben. Black Diamant schreibt auf ihrer Webseite durchaus über Nachhaltigkeit. Der Text ist jedoch eher allgemein gehalten. Auf meiner Suche nach PFC´s bin ich bei dieser Brand nicht fündig geworden. 

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Wie kann ich mein Equipment grüner machen

Natürlich sind die Chemikalien nicht das einzige ökologische Thema bezüglich der Herstellung von Outdoor-Produkten. Viele andere Materialien wie zum Beispiel die Farben, die verwendeten Daunen oder die Produktionsstätten an sich, mit ihren Arbeitern, den Lieferwegen und vieles mehr sind Faktoren, die eine sehr große Rolle spielen. Viele Marken versuchen so transparent wie möglich zu agieren. Ich habe bei meinen Recherchen auf jeder Homepage den Button „Nachhaltigkeit“ gefunden und einige Themen durchforsten können. Ich finde dennoch, dass auch hier eine gewisse Skepsis gefragt ist. Die meisten Produktionsstätten sind beispielsweise in China. Es ist kein Geheimnis, dass Kontrollen dort sehr schwierig und aufwendig sind. Auch Labels und Zertifikate halten nicht immer das, was sie auf dem ersten Blick versprechen. Fair und nachhaltig einkaufen bedeutet recherchieren, nachfragen und hinterfragen. Nehmt euch die Zeit. Grün steht jedem gut, vor allem unserem Planeten. Und wenn ihr mich fragt, sollte man als Naturliebhaber nicht überlegen ob das wirklich sein muss. 



Kauftipps

Im Nachgang haben wir noch einige Tipps aus der Greenpeace-Studie übernommen, die euch helfen ohne viel Aufwand ein ökologischeres Outdoorleben zu führen. Ich wünsche euch viel Spaß beim „grünen“ Shoppen und noch mehr Spaß bei euren Abenteuern in unserer geliebten Natur. 

1) Überdenke deinen Konsum.

Kaufe nur, wenn du das Teil wirklich benötigst. Hinterfrage auch die fairen Labels. Wie wird die Produktion überwacht? Welche Standards schreibt das Zertifikat genau vor. Sei dir nicht zu schade gute Second-Hand-Ware zu kaufen. 

2) Kaufe zeitlose Modelle, dann hast du länger Freude dran.

3) Gib deine ausgediente Outdoor-Garderobe zurück zum Hersteller. Diese wird dort oft recycelt.

4) Frag nach!!! Der Kunde bestimmt die Nachfrage. Wenn dir Transparenz und Nachhaltigkeit wichtig sind und die Unternehmen das mitbekommen, wird ihnen nichts anderes übrig bleiben als bewusster zu produzieren. 

5) Spread the Spirit!

Teile deine Recherchen, rede mit deiner Familie und deinen Freunden darüber. Je mehr Menschen auf unsere Erde achten, desto länger werden wir ihre Schönheit bewahren können.


Habt ihr noch Tipps für uns zum Thema "grüne Outdoorausrüstung"? Wir freuen uns über Erfahrungen und Meinungen zu diesem Artikel!

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