Nachhaltiger Wintersport - Umweltschutz vs. Tourismus

Aktualisiert: 8. Dez 2019

Wir lieben Schnee und Berge! Wir wedeln unglaublich gerne eine schöne Abfahrt hinunter und sind beide begeisterte Wintersportler! Wir schmieden schon im Sommer die Pläne für unsere Winterabenteuer und ab November wird das Wetter in den nahen Alpen voller Vorfreude auf den Schnee ganz akribisch beobachtet. Vor einigen Jahren haben wir uns jeden Winter eine Saisonkarte geleistet und so viele Skitage gesammelt, wie nur möglich. Dafür sind wir in die verschiedensten Skigebiete Deutschlands und Österreichs getingelt, um unseren Spaß im Schnee zu haben.

Wir wollen hier jetzt gar nicht aufzählen, was im Wintersport alles wie schlimm ist. Wenn man die Augen offen hält, die Blechlawinen, die zugebauten Bergtäler, die Straßen, die Parkplätze, die Beschneiungsanlagen, die kahlen Pisten, die großen Hotels, die Tiefgaragen usw. sieht, braucht man nicht lange zu recherchieren, um den Impact des Massentourismus auf die empfindliche Natur der Berge wahrzunehmen. Wart ihr mal in einem großen Skigebiet im Sommer? Ich finde, dort sind die baulichen Eingriffe in die Natur besonders sichtbar. Aber nun wollen wir zu unserer eigentlichen Intension kommen: Wie können wir im Winter Spaß haben, unserer Leidenschaft nachgehen und tolle Abenteuer in der Natur erleben, ohne großen Schaden anzurichten? Hier gleich mal vorweg: Einen total neutralen Tourismus gibt es wahrscheinlich nicht, vor allem weil wir eine bestimmte Anzahl an Kilometern zurücklegen müssen, um in die Berge zu kommen, wenn wir nicht zu den wenigen Menschen gehören, die dort leben.

An- und Abreise:

Hier fängt es schon an. Versucht auf alternative Transportmöglichkeiten zurückzugreifen. In viele Regionen gibt es gute Verbindungen mit Zügen und Bussen. Zugegeben das ist manchmal nicht so einfach und mit dem vielen Gepäck auch sehr umständlich. Wir machen das wirklich auch nicht oft. Wenn wir mit dem Auto fahren, dann machen wir aber die Kiste möglichst voll. Bildet Fahrgemeinschaften! Wenn die Freunde nicht mitfahren, dann gibt es in den Sozialen Netzwerken Gruppen, in denen ihr eure freien Plätze anbieten oder selbst welche wahrnehmen könnt. Das kann nicht nur zu netten Begegnungen führen, sondern spart ganz schön Geld - und mal ehrlich, bei den gesalzenen Preisen ist das nicht verkehrt.


Wahl der Destination:

Wohl gewählt sei auch das Skigebiet, in das es dich verschlägt. Du hast die Wahl: Muss es denn ein riesiges Skiresort mit neuesten Gondeln, breiten Pisten, Beschneiungsanlagen, großen Restaurantbauten, Apreski-Tempeln, Hotels, Clubs und Massentourismus sein? Legst du Wert auf Abenteuer und Natur? Dann ist sowieso die Frage, ob du in einem kleinen, familiären Skigebiet nicht viel besser aufgehoben bist. Wir werden auch nicht jünger und finden neben dem Sport vor allem das Erlebnis, draußen zu sein, wichtig. Deswegen wählen wir unsere Destinationen sehr sorgfältig nach folgenden Kriterien aus:


Größe des Skigebiets:

Wir bevorzugen kleine Skigebiete mit kleinen Liften und familiengeführten Hütten

Entfernung und Anbindung:

Je näher desto besser. Wir fahren so gut es geht in nah gelegen Gebiete um unsere Emissionen und Verkehrsbelastung so gering wie möglich zu halten. Unser Wohnort ist leider nicht an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen, aber wenn das bei euch anders ist, könnt ihr ja mal recherchieren ob ihr vielleicht auch anders als mit dem Auto in die Berge fahren. Für uns auch immer eine Option: Park and Ride!

Lokal Konsumieren:

Abgesehen davon, dass wir kein großer Fan von Massenab- und -anfertigung beim Essen sind, sind große Bergrestaurants auch nicht besonders nachhaltig. Wir bevorzugen kleine, familiär betriebene Hütten, in denen mit guten lokalen Lebensmitteln gekocht und authentisch serviert wird. Nach diesem Standard wählen wir auch unsere Unterkünfte aus. Es gibt fast nichts Schöneres, als in einem kuscheligen Zimmer zu liegen und morgens ein Bergpanorama vor dem Fenster zu haben. Auf große, konventionelle Hotels sollte verzichtet werden. Die Auswahl an ökologischen Unterkünften in verschiedensten Preis- und Größenkategorien wird immer größer. Stöbert einfach mal, da ist für jeden was dabei. Wir verzichten dabei gerne auf einen großen Wellnessbereich und unterstützen kleine Betreiber. Aber auch für die Gönner unter euch, gibt es nachhaltigere Alternativen.


Beschneiung:

Es gibt verschiedene Arten und auch diverse Ausmaße der Beschneiung. Auf der Webseite der Skigebiete, dem Tourismusverband oder der Bergbahn kann man sich über die dortigen Praktiken informieren. Logischerweise müssen höher gelegene Skigebiete weniger beschneien. Dafür ist dorthin die Anfahrt wiederum besonders lange. Gar nicht so einfach! Deine Entscheidung ist deine persönliche Sache! Wir sind der Meinung, dass jeder eine gewisse Verantwortung hat und das richtige Maß für sich und aber auch die Natur finden soll. Wir maßen uns hier jedoch nicht an eine Entscheidung für gut oder schlecht zu heißen, denn viele Faktoren spielen eine Rolle! Deshalb lautet unsere Devise: informiere dich gut und wäge ab.



Multisport und Offenheit für Neues:

Längst sind unsere Winter nicht mehr so schneesicher. Es kann schon sein, dass in unserem lokalen Skigebiet im Dezember oder auch im Januar mal alles grün ist. Auch fein, wir sind offen für eine Wanderung und feiern die verschiedenen Braun- und Grüntöne, die in der tief stehenden Sonne leuchten. Das ist übrigens auch im Winterwonderland, wenn alles weiß glitzert, ein tolles Erlebnis. Es muss auch nicht immer mit dem Lift nach oben gehen. Wir schnallen uns sowieso meist das Splitboard oder die Schneeschuhe unter die Füße und verdienen uns eine schöne Pulverabfahrt und das Abendessen mit einem anstrengend Aufstieg aus eigener Kraft. Vor ein paar Jahren haben wir auch das Schlittenfahren wieder für uns entdeckt. Eine kleine Winterwanderung gegen den Weihnachtsspeck und dann geht’s richtig ab, wenn wir unsere innres Kind auf der Abfahrt freilassen. Langlaufen kann außerdem ein ziemlich idyllisches und gesundes Winterabenteuer sein. Eine total unkomplizierte Sportart, mitten in der Natur, die noch weniger Anreisestress und Material bedeutet, denn viele traumhafte Loipen findet man auch schon im höheren Flachland. Material kann man sich meist vor Ort oder beim Alpenverein leihen, sodass der Keller auch nicht voller Wintersportgeräte stehen muss. Durch dein Multisporterlebnis entlastest du die Skigebiete und hast jede Menge Spaß, meist geringere Kosten und erlebst viel Neues!



Second Hand Stuff und Share-Kultur:

Die Klamotten, die Stöcke, der Pieps, das Pistenbrett, das Splitboard, der Schlitten, Langlauflatten….Da kommt schon einiges an Spaßgeräten zusammen, wenn man im Winter aktiv unterwegs sein möchte. Da ist es natürlich ganz toll, wenn man beim Kauf des vielen Materials darauf achtet, ressourcensparend zu agieren. Gerade Funktionskleidung beinhaltet oft schädliche Stoffe. Es gibt mittlerweile einige Brands, die auf diese verzichten und zeitloses Design verkaufen, sodass es nicht jedes Jahr was Neues sein muss. Schaut doch auch mal auf alpinen Flohmärkten vorbei. Dort kann man Geld sparen und mittlerweile hochwertiges Material bekommen. Wer fünf verschiedene Wintersportarten betreibt muss ja nicht gleich genauso viele Ausrüstungen zu Hause haben. Über den Alpenverein oder vor Ort kann man viele Dinge ausleihen. Wir pflegen mit Freunden und Familie außerdem eine ausgeprägte Gemeinschaft und teilen diverse Gerätschaften, sodass nicht immer jeder alles kaufen muss. Meist dient das ein oder andere Getränk als kleine Leihgebühr oder Dankeschön – sehr gesellig und nachhaltig! ;)

Während ich diesen Artikel schreibe, steigt meine Vorfreude auf den Winter mehr und mehr! Und das Schöne ist: es ist echte, pure Freude auf Natur und Abenteuer. Zugegeben etwas Schuldgefühl ist immer dabei, denn ganz neutral ist man einfach nie unterwegs. Aber wenn man mit seinem eigenen Freizeitspaß kleine Betriebe unterstützt und nachhaltige Tourismuskonzepte gefördert hat, hat man schon vieles richtig gemacht.

Am Ende bleibt unser wertvollster Tipp: Mach dir vorher Gedanken, entscheide dich bewusst und genieße dann deine Momente!

Wir freuen uns auf euere Beiträge und wünschen euch tolle, bewusste Winterfreuden!

Hier im Anhang noch nützliche Links zu nachhaltigem Wintersport, denn wir könnten hier noch viele Seiten füllen, aber irgendwann müssen wir ja auch mal in die Berge! ;)


Eure Kathi und Basti


Kolumne über Nachhaltigen Wintersport: https://www.powderguide.com/magazin/news/artikel/schnee-von-morgen-warum-skifahren-politisch-ist.html

Initiative für nachhaltigen Wintersport von Jeremy Jones:

https://protectourwinters.org

Ausleihservice der DAV-Sektion München Oberland:

https://www.alpenverein-muenchen-oberland.de/unser-service-fuer-unsere-mitglieder/dav-ausruestungsverleih-in-muenchen

Zusammenschluss von 25 Wintersportgebieten die sich zu nachhaltigem Tourismus verpflichtet haben:

https://www.alpine-pearls.com

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