Sanft und Wild - Jamnika

Aktualisiert: 28. Apr 2019



Wenn die Tage länger werden und sich die Bäche im Tal mit Schmelzwasser füllen, wird unser Verlangen nach einem Frühlingsabenteuer jedes Jahr schier unerträglich. Die Sonne scheint durch das Fenster. Sie wärmt unsere Finger während wir am Laptop sitzen. Gemeinsam überlegen wir, wo es hingehen soll. Eines steht schon fest: es geht auf´s Bike. Nur das Reiseziel bereitet uns Kopfzerbrechen. Da wäre Südtirol mit seinen traumhaften Trails, hervorragendem Wein und seiner beeindruckende Bergkulisse. Doch auch die Vorstellung direkt auf die ligurische See zuzufahren und in  frühsommerlichen Temperaturen das Dolce Vita zu genießen lässt uns nicht los. 

Nach einigen Stunden Recherche werden wir uns langsam einig. Zudem macht uns der Prozessionsspinner - eine Raupenart die sich aufgrund des Klimawandels stark in südlichen Gefilden verbreitet - Probleme ein Ziel zu finden. Denn eine Begegnung mit diesen Fieslingen kann für unseren Hund Leo sogar lebensgefährlich enden. Am Ende sind vor allem aber die Erinnerungen an ein abenteuerliche Outdoorwoche während unserer Studienzeit gepaart mit einem Geheimtip von Freunden die Gründe warum es dieses Frühjahr nach Slowenien geht.

Sowohl T-Shirts als auch Daunenjacken sind gepackt. Es geht über die Alpen Richtung Süden. Nach den sanften Grasbergen Kärntens passieren wir einen kleinen Grenzübergang und spüren sofort, in einem anderen Land zu sein. Nicht nur weil die ersten Schlaglöcher uns aus den Sitzen hüpfen lassen. Die Wälder werden dichter. Das Gefühl eines bevorstehenden Abenteuers macht sich in uns breit. 

Als wir die Asphaltstraße verlassen und auf Schotter den Berg nach oben zockeln folgen wir den Schildern, die uns zu Bikenomad  führen. Wir passieren idyllische Berghöfe und landen schließlich selbst auf einem, der besonders malerisch auf einer Kuppe liegt. 

Dixie, seine Frau und sein Sohn führen den Ökohof mit Herz und Hand. Auch das Trailnetz am Berg ist auf ihren Mist gewachsen. Schon das warme Willkommen verspricht eine Unterkunft mit familiärer Atmosphäre, in der man sich nach wenigen Minuten schon wie zu Hause fühlt. 

Unser kleiner Vierbeiner muss ich noch ein wenig an die bärenartige Gestalt des Hofhundes Luna gewöhnen, aber wir fühlen uns sofort wohl und genießen ein liebevoll zubereitetes Abendessen aus hofeigener Ernte. 


Am nächsten Morgen unter strahlendem Sonnenschein haben sich Leo und Luna auf eine friedliche Koexistenz geeinigt. Basti und Stephan starten eine Erkundungsrunde im Trailcenter, während Kathi die erste Welpenschicht übernimmt und zu Fuß loszieht. Kein Lift und keine Massen - nach diesem Motto wird der Biketourismus in Jamnika geführt. Das spielt nicht nur der einzigartigen Umwelt in die Hände. Auch wir können es kaum fassen wie naturbelassen und spannend zugleich die Abfahrten sind. Während der relaxten Auffahrten bei sehr moderater Steigung lassen wir den Flow nachwirken und unterbrechen uns gegenseitig mit Schwärmereien über die letzte Abfahrt oder fuchsen uns durch die engen Kurven des Uphilltrails. Wir fegen über von Blütenblättern weiß gesäumten Waldboden und durchqueren klare Gebirgsbäche. Das Geräusch unseres Reifenprofils, während es sich in leuchtend grünen, moosigen Waldboden gräbt, ist Musik in unseren Ohren. 

Als wir am Abend bei einem weiteren Festmal aus der Familienküche den Tag Revue passieren lassen, sind wir uns nicht einig, ob die atemberaubende Natur mit ihren sanften Konturen und doch wilden Elementen oder die genialen Downhillrides das Highlight des Tages waren. Aber Gott sei Dank müssen wir uns da ja nicht festlegen. 


Die nächsten Tage verbringen wir damit alle Trails des gut durchdachten Netzes zu erkunden und uns unsere Favouritenrunde zusammenzustellen. Auch der zukünftige Traildog kommt voll auf seine Kosten. Auf idyllischen Gassirunden kann er gemeinsam mit Herrchen und Frauchen die blühenden Wälder erkunden. Egal ob auf Rädern, auf zwei oder auf vier Beinen - die ganze Crew ist sich einig, dass dieses augenscheinlich vom Massentourismus verborgene Paradies der Südalpen ein ganz besonderer Ort ist. 





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