Reist du noch oder entdeckst du schon - über Stecknadeln in Postern und Slow Travelling

Bevor es hier ans Eingemachte geht möchten wir nochmal betonen, dass uns nichts ferner ist, als pauschal eine bestimmte Art des Reisens zu verurteilen (außer Kreuzfahrten)! Wir sind weder selbst Heilige ohne jegliche Fehler und Laster, noch möchten wir mit erhobenem Zeigefinger anderen Menschen sagen, was sie zu tun haben. Wir machen uns viele Gedanken um unseren Lebensstil und die Zukunft unserer Erde und teilen diese gerne, als Anregung, Inspiration oder einfach nur zum Lesen. Viel Spaß mit einem Artikel über den allgemeinen Reisetrend und die Art des Reisens geht.

Möglichst viele verschiedene Länder bereisen. Möglichst weit weg von zu Hause fliegen und völlig fremde Kulturen kennenlernen. Reisen als Hobby, vielleicht sogar als Lebensart ist unglaublich gefragt. Es war noch nie so einfach und günstig wie jetzt. Unsere globale Welt steht jedem mit einem Mitteleuropäischen Pass so offen wie nie.

Fast jeder von uns hat eine große Weltkarte über dem Bett hängen, um das Travelergen in den Alltag zu integrieren. Mit jedem Land das besucht wurde, wird eine Stecknadel mehr hineingesteckt. Im Internet existieren Listen mit Rankings der „Meist-Gereisten-Menschen“ der Welt. Wenn wir unseren inneren Nomaden fragen, möchte er viel Neues sehen, entdecken, erleben. Wir möchten unseren Horizont erweitern, sowie Momente und Begegnungen sammeln.



Das sind wirklich wunderbare Motive, die ein Leben unglaublich bereichern können.

Doch was passiert wirklich auf vielen Fern- und sogenannten Entdeckungsreisen? Traveller versuchen oft möglichst viele Teile des Landes in der kurzen Zeit zu sehen. Dabei bewegt man sich auf den typischen Touristenrouten und hakt eine Sehenswürdigkeit nach der anderen oder möglichst viele Punkte der Bucketlist ab. Dabei fragen wir uns, was wurde dabei denn wirklich entdeckt? Haben wir kennengelernt, wie die Menschen dort Leben? Haben wir uns mal ernsthaft mit jemandem von dort unterhalten, wie die Lebenslage so ist? Wer von uns kann den Durchschnittslohn der örtlichen Bevölkerung nennen oder weiß, was die Familien dort an ihren freien Tagen unternehmen? Welche politische Ausrichtung herrscht in diesem Land vor? Welchen Sport machen die Menschen in ihrer Freizeit? Über was wird beim Abendessen gesprochen? Wie sind die Geschlechterrollen? Haben wir nur die für die Touris erhaltenen Naturschätze gesehen oder wissen wir wie eine typische Landschaft in diesem Land aussieht?



Sind es nicht solche Dinge, die das Entdecken und Kennenlernen eines Landes bzw. einer Kultur ausmachen? Da hat man möglichst viele Stecknadeln in unserer Weltkarte über dem Bett, aber so wirklich erkundet wurden wahrscheinlich nur wenige dieser Länder.


Zusätzlich stellt sich dabei die Frage, was den Reisedestinationen auf diese Weise hinterlassen wird. Der schnelle Tourismus verkehrt in Hotellerie, großen Restaurants, Shoppingmals in großen Städten und deren überfüllten Sehenswürdigkeiten. Dies füllt meist nur die Taschen der Unternehmer, jedoch gibt er weder den Touristen einen Einblick in das „wahre Leben“ der Bevölkerung noch hat diese viel davon - meist eher das Gegenteil. Niedriglöhne, Enteignung und die Belastung ihres Lebensraumes durch Verkehr und Müll sind in touristischen Gegenden Gang und Gebe. Wir sind beispielsweise viel in der Natur unterwegs und auch hier boomt der Tourismus an vielen HotSpots. Die Bevölkerung darf dabei allenfalls einfache Arbeiten erledigen, während große Unternehmen den Mammutanteil einstecken und wenig darauf Acht geben, ob Flora und Fauna bzw. empfindliche Ökosysteme erhalten bleiben. Auch die Urlauber sorgen sich meist nicht darum, wenn für das Instagrambild eine seltene Pflanze zertrampelt oder ein Tier vergrault wird. Besonders Verkehr und Müll werden auch hier zum großen Problem.


Doch was können wir tun um diese negativen Effekte zu vermeiden und als Reisende ein Land bereichern anstatt zu belasten? Das ist wirklich gar nicht so einfach. Es ist auch verständlich, dass man seine wertvollen Urlaubstage unbeschwert, entspannt und ohne viel Gesuche, mit vielen tollen Abenteuern sowie Sehenswürdigkeiten füllen möchte.

Wir haben für uns einen sehr bereichernden und entspannten Weg gefunden dies zu erlangen. Der einzige Nachteil dabei: Unsere Weltkarte über dem Bett füllt sich nicht so schnell. Die Art zu Reisen nennt man „Slow Travelling“. Das bedeutet intensives, bewusstes und vor allem langsames reisen. Wenn wir ein Land entdecken wollen, dann beschränken wir uns meist auf einen kleineren Radius. Außerdem bereisen wir die Länger und Plätze oft mehrmals hintereinander. Diese beiden Faktoren begünstigen einen nachhaltigen Reisestil. Wir entdecken die kleinen Geschäfte und Restaurants der Einheimischen. Wir bummeln über Wochenmärkte und kommen ins Gespräch. Nicht selten springt dabei ein unbezahlbarer Insidertipp raus. Wenn wir schon zum dritten mal in einer Region sind, dann wissen wir genau, wo der kleine Bäcker oder der Biolanden sind und fahren nicht mehr die großen Supermärkte und Restraurantketten an. Dadurch bereichern wir die Bevölkerung und nehmen zumindest ein Stück weit am Leben der Menschen dort teil. Und eines können wir ganz gewiss sagen: Langweilig wurde uns noch nie. Wir haben jedesmal noch schönere und neue Orte entdeckt und könnten jede Menge Stecknadeln in einige Regionale Karten über unserem Bett hängen.


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